Vom mickrigen Pflänzchen zum Gaumenschmaus

Nach einer, sagen wir: sehr ausgedehnten Sommerpause melde ich mich zurück mit Neuem von der Kräuterfront.

Anfang Juli stellte ich fest, dass wir dieses Jahr das Tomatenpflanzen verpasst hatten. Die dadurch leer gebliebenen Pflanzsäcke wollte ich dennoch mit Leben füllen. Am liebsten mit etwas Essbarem. Da die klassische Pflanzzeit vorbei war, fanden sich in der Gärtnerei nur noch wenige mickrige Kräutertöpfe. Doch auch sie sollten eine Chance bekommen, und so landeten einige recht zerrupfte Exemplare in meinem Einkaufswagen. Darunter zwei Basilikumpflanzen, bestehend aus je zwei, ca. 20 Zentimeter langen, dünnen Stängeln, an denen ein paar durchaus lebendig wirkende Blätter hingen. Das muss so mitleiderregend ausgesehen haben, dass ich auf die bereits reduzierten Preise noch Rabatt bekam.

 In den großen Pflanzsäcken wirkten die kleinen Pflänzchen anfangs etwas deplaziert. Doch Erde, Wasser, Dünger und Sonne taten ihr Werk, und schnell entwickelte sich das Basilikum zu einem fast einen Meter hohen, prächtigen Busch. Den ganzen Sommer über war er grüne Oase und Duftinsel, seine Blüten boten reichlich Nahrung für Bienen und andere Insekten. Er ist so groß und dicht geworden, dass es gar nicht auffällt, wenn ein dicker Ast herausgeschnitten wird. Dieser ergibt dann zum Beispiel – zusammen mit Mandeln, Olivenöl und etwas Salz – eine große Portion feinstes Pesto.

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Die schöne Welt der Küchenaccessoires

Neulich habe ich ein großes Geschäft für Haushalt- und Küchenzubehör durchquert. Dort sind mir im Vorbeigehen einige Sortimente aufgefallen, die meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Zum Beispiel die Spargelzange. Ähnlich der Universalzange, doch den Spargel mit dieser auf den Teller zu befördern, wäre offensichtlich unangemessen. Der Sinn der daneben liegenden „Gourmetzange“ hat sich mir nicht erschlossen. Etwas weiter hingen einträchtig nebeneinander Sieblöffel, Seihlöffel, Schaumlöffel fein gelocht und Schaumlöffel grob gelocht. Letzteren besitze ich auch, er ist sehr praktisch, um z. B. Knödel in kochendes Wasser zu bekommen bzw. sie dort heraus zu holen. Ob dieser Löffel dafür gesiebt, geseiht, fein oder grob gelocht ist, ist mir völlig egal, es reicht einer für alles. Ein weiteres interessantes Produkt ist die Streich-Palette, wahlweise gerade oder gekröpft. Falls das jemand nicht kennt, das ist eine lange schmale Metallschiene mit Griff, ähnlich einem großen Koch- oder Brotmesser nur ohne Schneide. Bei der gekröpften Variante ist die Schiene etwas abgebogen. Ist vermutlich zum Streichen von Cremes auf eine Torte gedacht. Wie die Beschreibung schon nahe legt: Man kann für derlei Tätigkeiten auch die Rückseite der Schneide eines großen Messers verwenden. Als nächstes die Wand mit Werkzeugen zum Zerkleinern von Ingwer und Knoblauch. Ingwerreiben, Knoblauchreiben, Knoblauchpressen, Knoblauchschneider in großer Auswahl. Ich durfte derlei Gerätschaften bereits in den Küchen von Bekannten ausprobieren und habe jedes Mal ein kleines scharfes Messer bevorzugt. Damit dauert das Zerkleinern zwar etwas länger, funktioniert aber wesentlich besser, und der Zeitvorteil wird durch das Wegfallen des Reinigens der Geräte kompensiert. Meine Favoriten im Reigen der unnötigen Kochgeräte aber sind Melonenschneider, Ananasschneider, Avocadoslicer, Mangosplitter, Orangenschäler, Granatapfelentkerner sowie Apfel- und Birnenteiler. Wow, für jede Frucht ein eigenes Zerteilgerät! Wie altmodisch bin ich, das alles mit einem scharfen Messer klein zu schneiden?

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Die meisten dieser Helferlein sind entweder überflüssig (wer bitte braucht einen Kochbuchhalter?) oder sie lassen sich ganz einfach durch Messer oder Gabeln ersetzen. Doch die Wirtschaft freut’s. Diejenigen, die all diese nutzlosen Küchenaccessoires herstellen ebenso wie die Werbemenschen, die uns deren Unverzichtbarkeit verklickern und die Händler, die sie unters Volk bringen. Auch die Möbel- und Immobilienbranche werden dabei glücklich. Denn wir brauchen größere Schränke und Wohnungen, um all den Krempel zu lagern.

 

Es ist wieder Kräuterzeit…

.. und ich muss aufpassen, dass ich vor lauter Begeisterung für die grünen Kraftpakete nicht immer wieder ins Schwärmen gerate und jedes Jahr um diese Zeit das gleiche schreibe! Vielleicht wäre es auch egal – frische Kräuter sind einfach etwas Herrliches, das kann nicht oft genug wiederholt werden. Schmecken gut, putzen den Körper von innen durch und hinterlassen dabei jede Menge Nährstoffe. Fast jeden Tag gehe ich raus und pflücke was fürs Mittag- oder Abendessen. Hier: Ein Salat aus Kichererbsen, Sesam, gehackten Haselnüssen (alles in der Pfanne angeröstet), einem Dressing aus bestem Olivenöl, Balsamico Essig, Blütensalz und Pfeffer und natürlich einer Mischung frischer Kräuter: Pimpinelle, Oregano, Ysop, Ananassalbei, Schnittlauch.

Vom Sushiband zum Abnehmprofi

Auf der Heimfahrt vom „Markt des Guten Geschmacks“, der Slow Food Messe in Stuttgart, angenehm erschöpft, prall gefüllt mit positiven Eindrücken und einigen richtig guten Lebensmitteln im Gepäck, warte ich am Münchner Hauptbahnhof auf die S-Bahn. Mein Blick fällt auf eine dieser großen Tafeln, die immer zwischen zwei Werbeplakaten hin- und her scrollen. Kein großes Kino, aber diese bewegten Bilder üben eine gewisse Anziehungskraft aus.

Auf einem Bild wird das „All You Can Eat“ Angebot eines neuen Restaurants beworben. Über 150 leckere Spezialitäten vom doppelstöckigen Laufband, warm, kalt, Dessert, Sushi… Eigentlich nichts Aufregendes, diese Fressorgien breiten sich immer mehr aus. Doch hier kam eine mir neue Dimension ins Spiel: die Zeit. Schnäppchenjäger*innen aufgepasst: 45 Minuten kosten 12,90 Euro, wer länger schlemmen will, muss 17,90 Euro berappen. Fressen im Akkord.
Dann zieht das nächste Plakat auf. Darauf lerne ich eine junge Frau kennen, die mit der Hilfe von Abnehm-Experten 18 Kilo in 12 Wochen verloren und dadurch echte Lebensfreude gewonnen hat.

Werbung bedeutet gezielte Meinungs- und Verhaltensbeeinflussung, um Menschen zum Kauf eines Produktes zu bewegen. Aber wie bekommt man Übergewichtige an ein All You Can Eat Buffet und wie sind schlanke Zeitgenoss*innen für ein Abnehmprogramm zu gewinnen? Ganz einfach durch dieses Rundum-Sorglos-Paket. Nach 45 Minuten Wampe vollhauen (bloß nichts verschenken!) geht’s direkt zum Abnehm-Experten. Da ist garantiert für jede/n was dabei. Wie gut, dass man manchmal auf die S-Bahn warten muss. Solch spannende Informationen würden einem sonst glatt entgehen!

Improvisationsküche: Kartoffeln verwerten

Auf dem Herd kochte ein Topf mit Pellkartoffeln vor sich hin, als die Familie spontan andere Essenspläne entwickelte… Also wanderten die fertig gekochten und abgekühlten Kartoffeln erstmal in den Kühlschrank. Am nächsten Tag Vorratscheck: Die Kartoffeln könnten gut zu einem Auflauf verwandelt werden. Mit weiteren Zutaten sah es auf den ersten Blick eher schlecht aus. Kein auflauftaugliches Gemüse, kein Käse zum Überbacken. Ein paar Sachen waren dann doch noch zu finden und folgendes ist daraus geworden:

Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Kartoffeln (ca. 600 Gramm) habe ich noch vier Eier gekocht. Kartoffeln und Eier in dünne Scheiben bzw. mundgerechte Stücke schneiden und abwechselnd in eine gefettete Auflaufform schichten. Den Abschluss sollte eine Schicht Kartoffeln bilden. Einen Viertelliter Sahne würzen (Salz, Pfeffer, weiteres nach Geschmack) und vorsichtig in die Form gießen. Butterstückchen darauf verteilen und gleichmäßig mit Semmelbröseln bestreuen. Bei 180 °C ca. 40 Minuten in der Mitte des Ofens backen. Vor dem Servieren mit gehackter Petersilie bestreuen. Beilage: Grüner Salat, Avocado und Kichererbsen.

Das System Milch

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verhältnis der Menschen zur Milch stark verändert. Vom ehemals wertvollen Lebensmittel wurde sie zu einem Rohstoff, der immer und billig verfügbar sein soll. Von multinationalen Konzernen industriell verarbeitet und weltweit verkauft, Objekt eines knallharten Geschäfts. „Wachstum um jeden Preis“ lautet die Devise. Mit anderen Worten: Die Milch ist in den Strukturen des Kapitalismus angekommen.
Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Tiere, die Umwelt, die Politik und uns selbst aus? Dieser Frage geht Regisseur Andreas Pichler in seiner 2017 erschienen Dokumentation nach.

Auf der Suche nach Antworten kommen unterschiedlichste Akteur*innen zu Wort:
Ein dänischer Unternehmer, der 750 Kühe optimiert (!), um so kostengünstig wie möglich gute Milch zu produzieren. Ein deutscher kleinbäuerlicher Familienbetrieb, der, gefangen in diversen Abhängigkeiten, ums Überleben kämpft und an der Scheiße seiner Kühe mehr verdient als an deren Milch. Ein Südtiroler Biobauer, der seine Tiere ausgiebig weiden lässt, die Milch selbst zu Käse verarbeitet und im Umkreis von maximal 200 km vermarktet – denn auch kurze Transportwege gehören zu ökologisch sinnvollem Wirtschaften. Vertreter großer europäischer Molkereien, die täglich Millionen Liter Milch standardisieren (!) und solch interessante Produkte wie Milchpulver für Kinder sowie für Senioren ab 40, ab 50 und ab 60 entwickelt haben. Ausstellerinnen auf dem Weltmolkereikongress, die uns mit ihren Ernährungsempfehlungen derartige Produkte schmackhaft machen wollen und zu zwei bis drei Portionen Milch pro Tag raten. Ein Wissenschaftler, der diese Empfehlungen in Frage stellt. Ein EU-Parlamentarier, der das politische Kalkül hinter all diesen Absurditäten offen legt. Der Präsident des senegalesischen Molkereiverbandes, der deutlich macht, wie billige Milchpulverimporte aus Europa die afrikanischen Bauern unter Druck setzen.

Der Film beleuchtet die vielfältigen Aspekte der heutigen Milcherzeugung und -verarbeitung. Er zeigt zweckoptimierte Kühe, die mit zum Platzen gefüllten Eutern einen grotesken Catwalk absolvieren müssen; randvolle Güllebecken; Regenwald, der für die artfremde Ernährung von Rindern gerodet wird; ganze Völker, die quasi zum Milchkonsum gezwungen werden – die absonderlichen Auswüchse, um in einem gesättigten Markt immer mehr zu verkaufen. Aber auch Beispiele für einen respektvollen Umgang mit Mensch und Tier. Als halbwegs empathische*r Zuschauer*in schwankt man zwischen Staunen, Fassungslosigkeit, Wut und Hoffnung. Einmal mehr bestätigt dieser Film die zentrale Erkenntnis des Weltagrarberichts: Weiter wie bisher ist keine Option.
Unbedingt anschauen!

Für Kurzentschlossene noch bis zum 19. Februar in der arte-Mediathek, ansonsten als DVD erhältlich.

Essen unterwegs

Hin und wieder taucht die Frage nach einem schönen Mittagessen bei der Arbeit auf, wenn es keine vernünftige Kantine gibt und man die Pizza des benachbarten Italieners nicht mehr sehen kann. Manchmal fallen mir beim Einkaufen andere Kund*innen auf, die eine Semmel, eine Packung Wurst und eine Flasche Cola aufs Kassenband legen. Meistens ist dann gerade Mittagszeit und mir schauert bei der Vorstellung, dass das vermutlich deren Mittagessen werden soll. Auch die Salatbars, die es in immer mehr Supermärkten gibt, halte ich für keine gute Alternative. Macht zwar einen „gesunden“ Eindruck, doch man weiß nie, wie lange die fertig geschnittenen Salate dort schon rumliegen und womit sie bearbeitet werden, um lange frisch auszusehen.

In einschlägigen Zeitschriften gibt es zu diesem Thema jede Menge Anregungen, sogar ganze Bücher wurden damit gefüllt. Zu Hause selbst zubereitete Salate, Burger, Wraps, Müslis, Suppen und Desserts werden dort vorgestellt. Die Ideen und Rezepte sind sehr fantasievoll und abwechslungsreich, aber auch reichlich kompliziert. Endlose Zutatenlisten und penible Mengenangaben wirken nicht gerade motivierend. Zutaten wie Kokosblütenzucker, Tamari, Sesamöl und Schwarzkümmel sind recht speziell und gehören selbst in einem gut sortierten Vorratsschrank nicht unbedingt zum Standard. Neulich habe ich ein Salatrezept gesichtet, bei als „i-Tüpfelchen“ noch eine im Ofen erhitzte und geschälte Paprikaschote zugefügt werden sollte. Zweifellos eine feine Sache, doch ganz schön zeitaufwändig. Und wie sinnvoll ist es, den Ofen für eine einzige Paprika auf über 200 °C aufzuheizen? Beim Durchstöbern von Büchern habe ich eines entdeckt, das mir auf den ersten Blick vielversprechend erschien. Der Autor versprach auf plausible Art und Weise, dass seine Rezepte sehr schnell zuzubereiten seien. Der Haken: Um an fünf Arbeitstagen ein schnelles Mittagessen zu kreieren, müsste man das gesamte Wochenende mit Vorkochen verbringen. Nicht jedermanns Geschmack.

Ich finde, das geht einfacher. Das Mittagessen soll nahrhaft und sättigend sein, dafür eignen sich Reis, Nudeln, Kartoffeln, Couscous oder ähnliches. Wenn eines davon sowieso gerade gekocht wird, macht man einfach ein bis zwei Portionen mehr, die in den Kühlschrank kommen – die Grundlage für den Salat unterwegs. Nebenher kann gleich noch ein Topf mit Hülsenfrüchten auf dem Herd vor sich hin köcheln, Kichererbsen oder Kidneybohnen beispielsweise. Dafür muss man allerdings etwas vorausgedacht haben, weil sie vorher eingeweicht werden müssen. Auch sie kommen in den Kühlschrank. Nun kann spontan zusammengestellt werden, was der Vorrat hergibt. Beispiel: Zum Reis kommt eine Handvoll Kidneybohnen oder – wie auf dem Foto unten – zu den Nudeln Kichererbsen. An Gemüse wird dazu geschnippelt, was gerade so da ist, ein Dressing aus Öl, Essig – Sorte jeweils nach Geschmack –, Salz und Pfeffer dazu, fertig. Auch Käse, Schinken, Tofu, Kräuter, Äpfel, Orangen und Nüsse passen dazu. Also nicht unbedingt alles auf einmal, lieber jeden Tag ein neuer Mix. Andere Varianten sind Brot oder Brötchen mit Salatblättern, Gemüsescheiben, Käse oder Wurst belegt, gefüllte Pfannkuchen oder Süßes wie Milchreis oder Obstsalate.

Für Leute, die sich ohne klares Rezept schwertun, mag dieses Improvisieren gewöhnungsbedürftig klingen. Ein kleines bisschen Übung gehört dazu, aber die stellt sich rasch ein. Der Vorteil ist eindeutig, dass mit dem gekocht wird, was da ist. Das geht schnell und hinterlässt keine Reste. Im Gegenteil, oft sind es gerade unliebsame Reste vergangener Tage, die dem Gericht das gewisse Etwas verleihen. Und man muss nicht wegen eines Esslöffels einer exotischen Zutat 200 Gramm davon kaufen, die dann in einer dunklen Schrankecke vor sich hin gammeln.

Natürlich nicht nur als Arbeitsessen, auch toll als Reiseproviant, fürs Picknick oder wenn zu Hause Zeit, Lust und/oder Muße zum Kochen fehlen.