Alles Bio? Von Plastikmüll und sonstige Absurditäten

Biologisch, regional, saisonal, fair, vegetarisch, vegan – vor 30 Jahren waren das noch recht exotische Begriffe, mit denen nur wenige Leute etwas anfangen konnten. Seitdem hat sich vieles geändert. Heute sind biologisch angebaute, regionale und fair gehandelte Lebensmittel in zahlreichen Geschäften erhältlich und es hat sich herumgesprochen, dass das etwas mit Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit zu tun hat. Zum Glück greifen auch viele Kund*innen zu diesen Produkten. Gutes Gewissen inklusive. Schließlich verhält man sich ja ökologisch absolut korrekt. Doch schauen wir uns die Kundschaft im Bio-Supermarkt mal etwas genauer an.

Eine Kundin fährt im schicken Mittelklassewagen vor. Dabei bläst sie jede Menge klimaschädliche Gase in die Luft. Die gute Klimabilanz der Bio-Lebensmittel, die sie gleich kaufen wird, macht sie dadurch locker zunichte.
In ihrem Kleid prangt das Label einer Handelskette, die für die schlechten Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Asien bekannt ist. Im Stoff versteckt sich vermutlich das eine oder andere Gift, das auf dem Baumwollfeld versprüht wurde.
Sie legt Gemüse in den Einkaufswagen, das mit riesigem Energieaufwand vom anderen Ende der Welt zu uns gekarrt wurde.
Zum Bezahlen reicht sie dem Kassierer die Kreditkarte einer Bank, die mit dem ihr anvertrauten Geld fragwürdige Mobilität (siehe oben), das Gift auf den Äckern der konventionellen Bauern und diverse andere schmutzige Technologien vorfinanziert.

Die Sache ist also etwas komplexer als es auf den ersten Blick aussieht. Doch wir sind noch nicht fertig: Zu Hause wird ausgepackt. Fast alles ist in Plastik, teilweise mehrfach verpackt. Meine „Favoriten“: Platz 2 Tee. Jeder Teebeutel einzeln in Plastikfolie, alle Beutel in einem Karton, der nochmals von einer Plastikfolie umhüllt ist. Platz 1 Kekse. Sie liegen in einer voluminösen Plastikschale, die wiederum in eine Plastikfolie gehüllt ist, um diese herum noch ein Karton.
Ich weigere mich, derart extrem Verpacktes zu kaufen. Jedenfalls so gut es geht, denn manchmal besteht die einzige Alternative im Verzicht. Wobei ich tatsächlich lieber mal auf etwas verzichte anstatt einen Berg Müll mit zu erwerben. Schade finde ich nur, dass ausgerechnet Hersteller, deren Produkte ich sehr gern kaufen würde, weil sie eine tolle Unternehmensphilosophie verfolgen, es mit dem Verpacken auf die Spitze treiben. Sie werben mit ihren hohen ökologischen und sozialen Ansprüchen, schaffen es aber offensichtlich nicht, diese konsequent umzusetzen. Und ein Großteil der Konsument*innen nimmt das völlig unkritisch hin. Wie unsere Bioladen-Kundin von oben. Dabei könnten wir einiges tun. Zum Beispiel an Bedientheken, beim Bäcker und auf dem Wochenmarkt die Waren in eigene Gefäße füllen lassen, Pfandflaschen aus Glas bevorzugen oder – soweit möglich – in verpackungsfreien Läden einkaufen.

Diejenigen, die die aufwändig eingepackten Waren vertreiben, versuchen uns natürlich einzureden, Plastik wäre überhaupt kein Problem. Wenn wir nur brav unseren Müll trennen – und darin sind wir Deutschen ja Weltmeister – wird alles recycelt und es entstehen schöne neue Dinge. Diese Argumentation blendet aus, dass die Plastikverpackungen unter enormem Ressourcen- und Energieverbrauch erstmal hergestellt und Produkte damit eingewickelt werden müssen. Was auch auf das sogenannte „Bio-Plastik“ aus nachwachsenden Rohstoffen, die biologisch abbaubar sind, zutrifft. Und wer an das Märchen vom Recyceln noch glaubt, dem empfehle ich dieses kurze Video.

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