Mit den Olivenöl-Detektiven unterwegs

Wie schon öfter, hat die Stiftung Warentest neulich Olivenöle unter die Lupe genommen. Getestet wurden 24 preisgünstige Olivenöle der höchsten Güteklasse „nativ extra“ aus Supermärkten und Discountern. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die chemische Analyse wies in mehreren Produkten Mineralöl bzw. Weichmacher nach, bei der Verkostung fielen alle Öle durch, die Bedingungen bei Anbau, Produktion und Vermarktung kamen im Test überhaupt nicht vor. Viele dieser Olivenöle dürften gar nicht als „nativ extra“ bezeichnet werden – Verbrauchertäuschung pur.
Bei aller Kritik, die die Stiftung Warentest durchaus übt – selbst die Testsieger erhielten nur die Bewertung „befriedigend“ –, hält sie es für „erfreulich“, dass natives Olivenöl extra nicht teuer sein muss. Die besten Öle aus dem Test stammen von den Discountern Aldi, Lidl und Netto, kosten 5 bis 6 Euro pro Liter und werden für den „Alltagsgebrauch“ empfohlen. Was auch immer man sich darunter vorstellen darf… Sollen wir hochwertiges Olivenöl nur sonntags verwenden?
Ausführlich nachzulesen ist das alles im test-Heft vom Februar 2017 oder online.

Eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Test ist in Heft 1/2017 von Merum, der Zeitschrift für Wein und Olivenöl aus Italien, erschienen. Merum setzt sich für Qualität und Transparenz auf dem Olivenölmarkt ein. Chefredakteur Andreas März gilt als einer der bestinformierten und unabhängigsten Journalisten auf diesem Gebiet. Er legt den Widerspruch, in dem sich die Stiftung Warentest verfängt, offen:
Werden die gesetzlich geregelten Mindestanforderungen an ein Olivenöl „nativ extra“ (oder italienisch „extra vergine“) nicht erfüllt, ist dieses Öl schlicht und ergreifend nicht nativ extra. Klingt logisch, wird aber von der Stiftung Warentest lässig übergangen. Denn nachdem auch die Stiftung recht schnell erkannt hat, dass die getesteten Olivenöle nicht als nativ extra verkauft werden dürften, werden sie im Verlauf des Artikels weiterhin als solche bezeichnet. Was den Leser*innen nicht aufzufallen scheint. Vielmehr scheinen sie sich zu freuen, ihr Olivenöl weiterhin mit gutem Gewissen im gewohnten Discounter kaufen zu können.

Wirklich gutes Olivenöl, also echtes Extra Vergine, kann es nicht für 5 oder 6 Euro geben. Werden derartige Preise durchgedrückt, leidet nicht nur die Qualität des Öls, auch an eine faire Bezahlung der Bauern ist nicht zu denken. Und vielleicht wäre bei höheren Preisen auch eine Schulung für das Personal von Lidl drin. Als Merum dort eine Flasche des Testsiegers kaufen wollte und die Verkäuferin darauf hinwies, dass das Öl gefroren sei, antwortete diese: „Das ist, weil es kalt gepresst ist!“

Um das Bild zu vervollständigen, wollte Merum die Sensorik der drei Siegeröle testen. Die Verkoster beurteilten zunächst den Geruch. Dieser war bei allen drei Proben dermaßen widerlich, dass sie sich weigerten, die Öle in den Mund zu nehmen. Ich finde, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Foto: Merum

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