Wie wollen wir einkaufen?

In den letzten Wochen ist immer wieder zu hören, dass Amazon ins Lebensmittelgeschäft einsteigen will. Erste Pilotmärkte werden bereits bedient. Das erregt einiges Aufsehen, vor allem angesichts der Kritik an den Geschäftspraktiken des Unternehmens. Dies ist allerdings nur ein Nebenschauplatz, primär geht es um das Prinzip, sich Lebensmittel in großem Stil nach Hause liefern zu lassen. Und zwar nicht nur einzelne spezielle Produkte, die nur per Versand zu haben sind, sondern das komplette Sortiment. Es geht um die grundsätzliche Frage, wie wir einkaufen wollen. Warum sollen wir nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag noch in den Supermarkt hetzen oder uns am Wochenende mit lästigen Großeinkäufen abgeben anstatt die freien Tage zu genießen? Amazon macht den Anfang, wenn der Stein erstmal ins Rollen kommt, werden sicher weitere Anbieter folgen.

Klingt alles erstmal plausibel, doch das System hat seine Tücken. So dürfen z. B. Kühlketten nicht unterbrochen werden und empfindliche Produkte müssen extrem aufwändig verpackt sein. Hat man den Transport zur Kundin gemeistert, steht man dort vermutlich vor verschlossener Tür, denn sie kommt ja erst abends von der Arbeit. Da nützt es auch nichts, wenn der nette Nachbar das Paket annimmt, es wird vermutlich nicht in seinen Kühlschrank passen. Unkomplizierter und vor allem auch umweltschonender wäre es, wenn lokale Supermärkte ihre Kund*innen im Umkreis weniger Kilometer direkt beliefern würden, am besten zu einem vereinbarten Termin. Das sind nur einige Aspekte von vielen, insgesamt gibt es – logisch – Vor- und Nachteile. Welche überwiegen, ist schwer abzuschätzen, zu komplex ist das Thema.

Unternehmen wollen Geschäfte machen. Wenn Märkte gesättigt sind und Umsätze zurückgehen, denken sich findige Geschäftsleute eben ganz neuartige Produkte oder Dienstleistungen aus. Ebenso findige Marketingexpert*innen kreieren Werbekampagnen, um uns Konsument*innen zu erklären, dass wir diese Produkte respektive Dienstleistungen, die wir bisher noch gar nicht kannten, unbedingt brauchen. Im Falle des Versands von Lebensmitteln zielen sie auf gestresste Berufstätige, deren knappe Freizeit zu schade ist, um sie mit Banalitäten wie Lebensmitteleinkäufen zu verbringen. Viele scheint das tatsächlich anzusprechen. Doch wie wäre es, wenn wir uns stattdessen unsere Zeit zurückerobern würden? Nicht mehr 40, 50 oder 60 Stunden in der Woche arbeiten, sondern nur noch 20, 25 oder 30? Dann hätten wir wieder genügend Freiraum für so existenzielle Dinge wie die Besorgung von Essen und Trinken, und das Leben wäre vermutlich insgesamt entspannter.

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