Essen unterwegs

Hin und wieder taucht die Frage nach einem schönen Mittagessen bei der Arbeit auf, wenn es keine vernünftige Kantine gibt und man die Pizza des benachbarten Italieners nicht mehr sehen kann. Manchmal fallen mir beim Einkaufen andere Kund*innen auf, die eine Semmel, eine Packung Wurst und eine Flasche Cola aufs Kassenband legen. Meistens ist dann gerade Mittagszeit und mir schauert bei der Vorstellung, dass das vermutlich deren Mittagessen werden soll. Auch die Salatbars, die es in immer mehr Supermärkten gibt, halte ich für keine gute Alternative. Macht zwar einen „gesunden“ Eindruck, doch man weiß nie, wie lange die fertig geschnittenen Salate dort schon rumliegen und womit sie bearbeitet werden, um lange frisch auszusehen.

In einschlägigen Zeitschriften gibt es zu diesem Thema jede Menge Anregungen, sogar ganze Bücher wurden damit gefüllt. Zu Hause selbst zubereitete Salate, Burger, Wraps, Müslis, Suppen und Desserts werden dort vorgestellt. Die Ideen und Rezepte sind sehr fantasievoll und abwechslungsreich, aber auch reichlich kompliziert. Endlose Zutatenlisten und penible Mengenangaben wirken nicht gerade motivierend. Zutaten wie Kokosblütenzucker, Tamari, Sesamöl und Schwarzkümmel sind recht speziell und gehören selbst in einem gut sortierten Vorratsschrank nicht unbedingt zum Standard. Neulich habe ich ein Salatrezept gesichtet, bei als „i-Tüpfelchen“ noch eine im Ofen erhitzte und geschälte Paprikaschote zugefügt werden sollte. Zweifellos eine feine Sache, doch ganz schön zeitaufwändig. Und wie sinnvoll ist es, den Ofen für eine einzige Paprika auf über 200 °C aufzuheizen? Beim Durchstöbern von Büchern habe ich eines entdeckt, das mir auf den ersten Blick vielversprechend erschien. Der Autor versprach auf plausible Art und Weise, dass seine Rezepte sehr schnell zuzubereiten seien. Der Haken: Um an fünf Arbeitstagen ein schnelles Mittagessen zu kreieren, müsste man das gesamte Wochenende mit Vorkochen verbringen. Nicht jedermanns Geschmack.

Ich finde, das geht einfacher. Das Mittagessen soll nahrhaft und sättigend sein, dafür eignen sich Reis, Nudeln, Kartoffeln, Couscous oder ähnliches. Wenn eines davon sowieso gerade gekocht wird, macht man einfach ein bis zwei Portionen mehr, die in den Kühlschrank kommen – die Grundlage für den Salat unterwegs. Nebenher kann gleich noch ein Topf mit Hülsenfrüchten auf dem Herd vor sich hin köcheln, Kichererbsen oder Kidneybohnen beispielsweise. Dafür muss man allerdings etwas vorausgedacht haben, weil sie vorher eingeweicht werden müssen. Auch sie kommen in den Kühlschrank. Nun kann spontan zusammengestellt werden, was der Vorrat hergibt. Beispiel: Zum Reis kommt eine Handvoll Kidneybohnen oder – wie auf dem Foto unten – zu den Nudeln Kichererbsen. An Gemüse wird dazu geschnippelt, was gerade so da ist, ein Dressing aus Öl, Essig – Sorte jeweils nach Geschmack –, Salz und Pfeffer dazu, fertig. Auch Käse, Schinken, Tofu, Kräuter, Äpfel, Orangen und Nüsse passen dazu. Also nicht unbedingt alles auf einmal, lieber jeden Tag ein neuer Mix. Andere Varianten sind Brot oder Brötchen mit Salatblättern, Gemüsescheiben, Käse oder Wurst belegt, gefüllte Pfannkuchen oder Süßes wie Milchreis oder Obstsalate.

Für Leute, die sich ohne klares Rezept schwertun, mag dieses Improvisieren gewöhnungsbedürftig klingen. Ein kleines bisschen Übung gehört dazu, aber die stellt sich rasch ein. Der Vorteil ist eindeutig, dass mit dem gekocht wird, was da ist. Das geht schnell und hinterlässt keine Reste. Im Gegenteil, oft sind es gerade unliebsame Reste vergangener Tage, die dem Gericht das gewisse Etwas verleihen. Und man muss nicht wegen eines Esslöffels einer exotischen Zutat 200 Gramm davon kaufen, die dann in einer dunklen Schrankecke vor sich hin gammeln.

Natürlich nicht nur als Arbeitsessen, auch toll als Reiseproviant, fürs Picknick oder wenn zu Hause Zeit, Lust und/oder Muße zum Kochen fehlen.

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