Die schöne Welt der Küchenaccessoires

Neulich habe ich ein großes Geschäft für Haushalt- und Küchenzubehör durchquert. Dort sind mir im Vorbeigehen einige Sortimente aufgefallen, die meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Zum Beispiel die Spargelzange. Ähnlich der Universalzange, doch den Spargel mit dieser auf den Teller zu befördern, wäre offensichtlich unangemessen. Der Sinn der daneben liegenden „Gourmetzange“ hat sich mir nicht erschlossen. Etwas weiter hingen einträchtig nebeneinander Sieblöffel, Seihlöffel, Schaumlöffel fein gelocht und Schaumlöffel grob gelocht. Letzteren besitze ich auch, er ist sehr praktisch, um z. B. Knödel in kochendes Wasser zu bekommen bzw. sie dort heraus zu holen. Ob dieser Löffel dafür gesiebt, geseiht, fein oder grob gelocht ist, ist mir völlig egal, es reicht einer für alles. Ein weiteres interessantes Produkt ist die Streich-Palette, wahlweise gerade oder gekröpft. Falls das jemand nicht kennt, das ist eine lange schmale Metallschiene mit Griff, ähnlich einem großen Koch- oder Brotmesser nur ohne Schneide. Bei der gekröpften Variante ist die Schiene etwas abgebogen. Ist vermutlich zum Streichen von Cremes auf eine Torte gedacht. Wie die Beschreibung schon nahe legt: Man kann für derlei Tätigkeiten auch die Rückseite der Schneide eines großen Messers verwenden. Als nächstes die Wand mit Werkzeugen zum Zerkleinern von Ingwer und Knoblauch. Ingwerreiben, Knoblauchreiben, Knoblauchpressen, Knoblauchschneider in großer Auswahl. Ich durfte derlei Gerätschaften bereits in den Küchen von Bekannten ausprobieren und habe jedes Mal ein kleines scharfes Messer bevorzugt. Damit dauert das Zerkleinern zwar etwas länger, funktioniert aber wesentlich besser, und der Zeitvorteil wird durch das Wegfallen des Reinigens der Geräte kompensiert. Meine Favoriten im Reigen der unnötigen Kochgeräte aber sind Melonenschneider, Ananasschneider, Avocadoslicer, Mangosplitter, Orangenschäler, Granatapfelentkerner sowie Apfel- und Birnenteiler. Wow, für jede Frucht ein eigenes Zerteilgerät! Wie altmodisch bin ich, das alles mit einem scharfen Messer klein zu schneiden?

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Die meisten dieser Helferlein sind entweder überflüssig (wer bitte braucht einen Kochbuchhalter?) oder sie lassen sich ganz einfach durch Messer oder Gabeln ersetzen. Doch die Wirtschaft freut’s. Diejenigen, die all diese nutzlosen Küchenaccessoires herstellen ebenso wie die Werbemenschen, die uns deren Unverzichtbarkeit verklickern und die Händler, die sie unters Volk bringen. Auch die Möbel- und Immobilienbranche werden dabei glücklich. Denn wir brauchen größere Schränke und Wohnungen, um all den Krempel zu lagern.

 

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